Projektaktivitäten

Auf ausgewählten Flächen des Landesweingutes sollen Produktionsverfahren und Anbautechniken entwickelt werden, die an die zu erwartenden Klimaveränderungen angepasst sind. Hierzu soll ein Vergleich zwischen klassischem Minimalschnitt (Nachwuchserziehung), Minimalschnitt im Spalier (Heckenerziehung) und herkömmlicher Spaliererziehung durchgeführt werden. Teilweise sind diese Formen der Rebenerziehung im Saale-Unstrut-Gebiet bisher kaum praktiziert.

Die Naturwuchserziehung erlaubt der Rebe ihre natürliche Wuchsform als Lianengewächs anzunehmen, im Gegensatz zu der in Deutschland verbreiteten Spaliererziehung. Positive Effekte sind eine Vitalisierung der Reben durch mehr Freiheit und eine Auflockerung der Traubenstruktur. Es wird erwartet, dass dies die Krankheitsanfälligkeit und damit auch den Pflanzenschutzmitteleinsatz stark reduziert. Durch die stärkere Blattbildung wird zudem von einer Steigerung der Wurzelbildung ausgegangen, so dass sich die Trockenresistenz erhöhen kann. Ein weiterer Vorteil dieser Erziehungssysteme ist die Extensivierung der Arbeiten und damit eine Kostenersparnis. Untersucht werden zusätzlich Stressgefährdung und Qualität der Trauben.

(verantwortlicher Partner: Landesweingut Kloster Pforta)

Die Zielstellung ist die Entwicklung von Samenmischungen, die ein besseres Wasserrückhaltevermögen und damit eine bessere Erosionssicherung und Humusbildung vor dem Hintergrund der erwarteten Klimaveränderungen gewährleisten. Die sich entwickelnde Vegetation soll Nektar- und Pollenquellen für Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen bereitstellen und wird durch ihren Blütenreichtum einen hohen ästhetischen Wert aufweisen. Die Verwendung von regionalem Wildpflanzensaatgut stellt eine optimale Anpassung der ausgewählten Arten an die regionalen Klimabesonderheiten und deren Eignung als Nahrungspflanzen für heimische Tierarten (insbesondere Nützlinge) sicher.

Durch die Auswahl von anspruchslosen, niedrigwüchsigen Kalkmagerrasenarten wird die Wasserkonkurrenz zu den Reben gering gehalten. Entsprechende Untersuchungen zum Wasserstress und zur Vitalität der Reben sowie zum Traubenertrag sind vorgesehen. Auf dem Versuchsstandort Köppelberg (bei Schulpforta) werden in drei Versuchsvarianten (zwei Wildpflanzenmischungen, eine konventionelle Zeilenbegrünung) verschiedene Parameter zur Vegetations- und Bodenentwicklung, sowie zu ausgewählten Tierartengruppen (Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen) regelmäßig erfasst und miteinander verglichen. 

(verantwortlicher Partner: Hochschule Anhalt)

Durch die Beweidung der Weinberge mit robusten Schafrassen soll der Maschineneinsatz in Steillagen reduziert werden. Um Erosionsprozesse durch die Beweidung zu vermeiden, soll in den Gassen ein Kalkmagerrasen entwickelt werden. Dafür werden Wildpflanzenmischungen mit Kalkmagerrasenarten verwendet. Die Schafe haben zum einen die Aufgabe, die Gassen zu beweiden. Durch die Einbindung einer angrenzenden Streuobstwiese in das Beweidungskonzept wird die Pflege dieser sichergestellt und zugleich ein flexibler Einsatz der Schafe im Weinberg möglich.

Darüber hinaus werden die Schafe als Weinbergshelfer eingesetzt, sie entfernen die Stockaustriebe und entblättern die Traubenzone. Dadurch wird eine Auflockerung der Laubwand erwartet. Auf dem Versuchsstandort Saalhäuser (bei Bad Kösen) werden auf beweideten und unbeweideten (gemulchten) Gassen verschiedene Vegetations- und Bodenparameter sowie Rebenvitalität, Traubenqualität und Arbeitseffizienz regelmäßig erfasst und vergleichend bewertet.

(verantwortlicher Partner: Hochschule Anhalt)

Ziel ist die Erstellung von hochauflösenden Weinbergsbodenkarten, z.B. zu Bodenart und Gründigkeit, die dem Winzer eine datenbasierte und teilflächengenaue Bewirtschaftung seiner Weinbaustandorte  („Precision Viticulture“) ermöglichen. Zusätzlich erfolgt eine Abschätzung des Erosionsrisikos für die Versuchsstandorte in der Projektregion.

(verantwortlicher Partner: Jena Geos-Ingenieurbüro)

Die Effekte konventioneller und im Projekt entwickelter Begrünungs- und Managementmethoden von Weinberggassen sollen hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die Biodiversität sowie auf ausgewählte Ökosystemdienstleistungen bewertet werden. Dafür wurden Versorgungsleistungen (z. B. Traubenproduktion und -qualität), Regulierungsleistungen (z. B. Bestäubung, Schädlingskontrolle, Wasserrückhaltevermögen, Erosionsschutz) und kulturelle Leistungen (z.B. Bildung, Tourismus, Ästhetik) ausgewählt.

Als wichtige Indikatoren dafür dienen z.B. die Anzahl blühender Pollen- und Nektarpflanzen, die Anzahl von Schmetterlingen, Wildbienen und Schwebfliegen, verschiedene Bodenparameter, Durchwurzelung und Bodenabtrag sowie Wasserstress der Reben, Rebenvitalität, Säure- und Zuckergehalt der Trauben, Erntemenge auf den verschiedenen Varianten. Im zweiten Schritt werden die prognostizierten klimatischen Veränderungen einbezogen und der Mehrwert der im Projekt entwickelten Maßnahmen durch eine Kosten-Nutzen-Analyse bewertet. 

(verantwortlich: Landgesellschaft Sachsen-Anhalt)

Der langfristige Erfolg des Projektes hängt maßgeblich von der Weitergabe der erfolgreich erprobten Praktiken und Erkenntnisse ab. Geplant sind zielgruppenspezifische Veranstaltungen und Publikationen; z.B. Fachexkursionen auf die Demonstrationsflächen, Schulstunden im Weinberg und Präsentationen auf Drittveranstaltungen.

(verantwortlich: alle Partner)